Die Lehrbücher und Konzepte der Lehrer:innen sind unterschiedlich und das ist auch gut so. Wie auch immer man arbeitet, die Basis des Schriftspracherwerbs ist die Laut- Buchstabenzuordnung.
Daher stehen am Beginn das genaue Hören und bewusste Artikulieren von Lauten sowie die genaue Betrachtung und spätere Verschriftlichung der Grapheme im Fokkus.
Es ist also unausweichlich bei der Buchstabenerarbeitung die Bereiche der Akkustik, der Artikulation, der Optik und schlussendlich jene der Graphomotorik abzudecken.
Highlight für die Kinder: Buchstabentag
Unser Buchstabentag ist immer nach dem gleichen Prinzip aufgebaut. In diesem Fall ist die Routine für die Schüler:innen wichtig, da Routine auch bedeutet, dass Abläufe automatisiert werden. Ist das erst einmal erreicht, kann man sich viel besser auf das Wesentliche konzentrieren und das ist in unserem Fall der Buchstabe selbst. Ständig wechselnde Arbeitsabläufe würden die Kinder nur ablenken. Wenn jeder weiß, was zu tun ist, kehrt viel schneller Sicherheit ein und wir können wesentlich rascher in die Übungsphase übergehen.
So läuft der Buchstabentag in unserer Klasse ab:
Einstieg
Zu jedem Buchstaben habe ich eine Geschichte, oftmals auch in Reimform, die ich den Schüler:innen vorlese. Am Ende der Geschichte geben sie ihre Vermutungen ab, um welchen Buchstaben sich in dieser Woche alles dreht.


Erarbeitung
1. Akkustik
Auch bei der Erarbeitung bleibe ich zu Beginn noch im Bereich des Hörens. Ein Lautekoffer, gefüllt mit verschiedenen Gegenständen wird geöffnet und die sich darin befindlichen Objekte werden im Hinblick auf sich im Wort befindliche Laute untersucht. Meist lasse ich ein Kind ein Objekt benennen. Alle anderen hören gut zu und entscheiden dann, an welcher Stelle im Wort sie den Laut hören. Damit zwischendurch auch wieder Bewegung ins Spiel kommt, verdeutlichen sie ihre Hörergebnisse wie folgt:
- der Laut ist am Wortanfang zu hören – ich stelle mich neben meinen Stuhl
- der Laut ist in der Mitte des Wortes zu hören – ich setzt mich auf meinen Stuhl bzw. bleibe sitzen
- der Laut ist am Wortende zu hören – ich gehe in die Hocke
2. Artikulation
Die Schüler:innen haben von mir einen kleinen Taschenspiegel bekommen, den sie in ihrem Bankfach aufbewahren. Ich spreche den neuen Laut deutlich vor und sie sprechen ihn nach. Dabei betrachten sie nun ihre Mundstellung im Spiegel, wenn sie selbst den Laut sprechen. Sie untersuchen bzw. spüren die Stellung der Zunge sowie die Veränderung der Lippen, den Luftstrom, den Kehlkopf und was in ihrem Gaumen passiert, wenn der Laut gebildet wird. Nach dem eigenen Spüren vergleichen wir unsere Beobachtungen mit den Mundbildern von Hariolf Dreher.
3. Optik
Zu jedem Buchstaben wird den Schüler:innen ein Bild der Gebärdensprache – für uns ist es die Geheimsprache – angeboten. Wenn später dann bereits mehrere Buchstaben eingeführt wurden, zeige ich ihnen meist kurze Wörter in unserer Geheimsprache und lasse sie diese zusammenlauten.
Im nächsten Schritt lernen die Schüler:innen die Form des Buchstabens kennen. Dazu werden der Groß- und der Kleinbuchstabe mit eingezeichneten Richtungspfeilen für das bewegungsrichtige Schreiben an die Tafel geschrieben oder geklebt, so finden die Kinder die Buchstaben dann auch in ihren B.1 Heften zum Nachspuren.
4. Graphomotorik
Erst starten wir im Trockentraining. Der Buchstabe wird:
- in die Luft
- mit dem Finger auf den Tisch
- auf den Rücken des Sitznachbarn und letztendlich noch
- mit dem Fuß auf den Boden geschrieben
Während die ersten an der Tafel damit starten den Groß- und den Kleinbuchstaben mit Kreide nachzuspuren, beginnen die anderen bereits damit den Buchstaben in ihrem Buch zu üben. Ob der Buchstabe nun bloß nachgespurt oder selbst rekonstruiert und zu Papier gebracht wird, die Schüler:innen sprechen den jeweiligen Laut immer leise mit.
Heftarbeit im B.1


Meist schreiben wir, nachdem die Buchstaben im Buch geübt wurden, die ersten drei Zeilen im B.1. in der Schule. Die restlichen Zeilen werden als Hausübung aufgegeben. Denn so wissen die Schüler:innen genau, was sie machen müssen. In das freie Feld neben den Hohlbuchstaben zeichnen sie ein Bild eines Gegenstandes, der den jeweiligen Laut beinhaltet.
Da ich das B.1. nach der ersten Klasse nicht mit nachhause gebe, sondern bereits für die Abschlussmappe in der 4. Klasse zur Seite lege, schreiben wir erst nach dem Üben im Buch in unser Heft. Schließlich soll es später einmal ein Teil der Erinnerungen an unsere Volksschulzeit sein.
Geschrieben von: Michaela Wieland