ADHS im Deutschunterricht

ADHS ist ein Thema, das immer aktueller wird. Oft bleibt diese neurobiologische Erkrankung lange unentdeckt, weil nicht jedes Kind mit ADHS dem bekannten Bild des „Zappelhilipps“ entspricht.

ADHS kann bedeuten, dass Kinder ständig aufspringen, nicht ruhig sitzen, laut sprechen, Grenzen überschreiten und keine zwei Minuten bei einer Aufgabe verweilen können.

ADHS kann aber auch ganz anders aussehen: ruhiges und verträumtes Auftreten, Gedanken schweifen ab während man 30 Minuten ins Leere starrt, Aufkratzen der Nagelhaut oder Hyperfocus auf gewisse Themen (stundenlanges Anmalen von Mandalas).

Die Sache mit dem Dopamin

Menschen mit ADHS sind stets auf der Suche nach Dopamin, welches beispielsweise durch kleine Erfolgserlebnisse oder schnell erledigte Aufgaben ausgeschüttet wird. Daher gilt: kleine Ziele setzen!

Dopamin ist ein Botenstoff im Gehirn, der eine wichtige Rolle für unsere Motivation, Konzentration und unser Belohnungsempfinden spielt. Man könnte sagen: Es hilft uns, bei der Sache zu bleiben und uns über Erfolge zu freuen. Bei Menschen mit ADHS ist die Ausschüttung oder Verarbeitung von Dopamin oft aus dem Gleichgewicht – das kann dazu führen, dass es schwerer fällt, sich länger zu konzentrieren oder Aufgaben zu Ende zu bringen. Wichtig ist: Das hat nichts mit Faulheit zu tun, sondern mit biologischen Prozessen im Gehirn – und dafür gibt es zum Glück heute viele gute Unterstützungs- und Lernmöglichkeiten.

Den Bewegungsdrang in die Aufgabenstellung integrieren

Wichtig ist es immer, auf die Bedürfnisse der Kinder im Unterricht einzugehen und beim Lernen zu unterstützen. Bewegungsbedürfnisse sollten nicht unterdrückt, sondern in den Unterricht integriert werden. Ich habe euch hier ein paar Beispiele zusammengefasst.

Melissa (ADHS) soll ihre Lernwörter üben. Dazu gibt es folgende Aufgabenstellungen:

  • Schreibe alle Lernwörter 1x auf (von der Tafel ins Heft)
  • Suche die Lernwörter im Wörterbuch
  • Ordne sie nach Wortarten, indem du sie so in dein Heft schreibst: „Nomen: das Haus,…“

Grundsätzlich sind das die Aufgaben, die im Lernwörterheft schriftlich erledigt werden sollen. Wenn man hierbei aber Bewegung integriert, werden die Übungen nicht nur spaßiger und abwechslungsreicher, sondern auch ansprechender für Kinder mit kurzer Aufmerksamkeitsspanne und Bewegungsdrang.

  1. Schreibe alle Lernwörter 1x in dein Heft. In der Klasse sind die Lernwörter auf kleinen Karten aufgelegt. Schleiche wie eine Katze zu einer Karte, merke dir das Wort und schreibe es in dein Heft.
  2. Suche alle Lernwörter im Wörterbuch. Dieses liegt aber heute unter und dein Heft auf deinem Schreibtisch.
  3. Ordne die Wörter nach den Wortarten. Schreibe die Wörter dazu jeweils auf die passenden Papierstreifen und klebe sie in dein Heft. Nomen notiere auf blauem, Verben auf rotem und Adjektive auf grünem Papier.

Inhaltlich sind diese drei Übungen immer die gleichen. Sie unterscheiden sich nur anhand folgender Bereiche:

  • Weg vom durchgehenden Schreiben im Heft
  • Hefte kreativ auch anders nutzen (zum Einkleben)
  • Integrieren von Bewegung (unter den Tisch klettern, im Klassenraum herumschleichen)
  • Abwechslung durch Schneiden und Kleben

Mini-Bewegungen am Arbeitsplatz ermöglichen

Gibt es allerdings eine Übung, die längere Konzentration erfordert und bei der die Kinder längere Zeit schreiben müssen, dann kannst du den Kindern mit ADHS aber auch Bewegung am Arbeitsplatz anbieten.

Hierzu befestige eine Gummischnur um die Stuhlbeine. So kann das Kind den Bewegungsdrang ausleben, ohne den Unterricht durch Unruhe zu stören. Biete auch weitere stille Beschäftigungen an – Knete oder ein Stressball in der einen, den Stift zum Schreiben in der anderen Hand…

Viel Spaß beim Ausprobieren.

Und wenn du noch mehr darüber wissen willst: Es gibt auch einen Beitrag hier am Blog zum Thema ADHS im Mathematikunterricht.

Mach deinen Unterricht bunter!
Meli von Lernfrosch

Geschrieben von: Melanie Böhm

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