Das letzte Volksschuljahr

Die 4. Klasse Volksschule ist für Schüler:innen, deren Eltern und  Lehrer:innen gleichermaßen ein besonderes Jahr. Melancholie, Vorfreude, aber auch Unsicherheit und Stress liegen in der Luft. Schließlich wartet der Übergang zur weiterführenden Schule!

  • Schularbeiten müssen geschrieben werden.
  • Die Noten in der Schulnachricht (Halbjahreszeugnis) sind ein großes Thema.
  • Laufbahntscheidungen müssen getroffen werden. Welche weiterführende Schule ist das Richtige für das Kind? AHS oder Mittelschule? Welcher Schwerpunkt? Privatschule oder öffentliche Schule? Wird das Kind in der Wunschschule aufgenommen werden?

Die Schüler:innen spüren schon ab September in der 4. Klasse die herannahenden Veränderungen, den neuen Lebensabschnitt , eventuell auch Notendruck und den Abschied von der Volksschule. Und für ALLE Beteiligten ist der gemeinsame Entscheidungsprozess bezüglich der richtigen Schulwahl oft stressig.

Wie können Lehrer:innen die  Kinder emotional auf den Schulwechsel vorbereiten?

Erinnerungen schaffen

Ich habe mit meiner Klasse schon nach den Sommerferien besprochen, dass wir dieses letzte gemeinsame Schuljahr besonders genießen wollen. Wir haben Pläne für Ausflüge und Projekte geschmiedet. Die Förderung der Klassengemeinschaft, des Miteinanders soll gerade in stressigen Zeiten nicht zu kurz kommen. Gelegenheiten gibt es genug, auch ohne viel Aufwand und zeitintensiver Planung, schöne Momente zu schaffen:

  • spontan im Schulgarten oder auf einem Spielplatz in der Nähe die große Pause verbringen
  • Halloweenparty
  • spontan ins Freie gehen, weil es endlich schneit
  • tägliches Vorlesen einer Adventgeschichte, Öffnen des Adventkalenders, Entzünden der Kerzen am Adventkranz als Ritual in der Vorweihnachtszeit
  • Weihnachtsfeier (klein oder aufwändig- beides ist schön)
  • Entspannungsmusik während des Arbeitens
  • Mitbringen eines neuen Gesellschaftsspiels für die Pause
  • Tanzwettbewerb, bei dem die Kinder ihre einstudierten Choreografien vorzeigen können
  • Leseabend/Lesenacht
  • Regelmäßiges Vorlesen von Bilderbüchern, durch die Lehrperson lieben die Großen auch noch und fördert das soziale Lernen. Meine Schulkinder genießen es, wenn ich passende Vorlese-Bücher zum Sachunterricht, Kunst- oder Musikunterricht … mitbringe.
  • Abschlussgeschenke als schöne Erinnerung an die Volksschulzeit von den Kindern für die Mitschüler:innen gestalten lassen  (z.B. „Abschiedsglas“, das man mit kleinen Zetteln füllt, auf die nette Worte, Wünsche zum Abschied, Komplimente, Lob, gemeinsame Erinnerungen geschrieben werden)
  • Ich selbst sammle seit der 1. Klasse besondere Hefte, Arbeitsblätter, Erinnerungen, Fotos…, die ich den Kindern am letzten Schultag in einer hübschen Mappe überreichen werde.

… also let´s create memories!

Verbindungen herstellen

Ich erkläre den Kindern oft, dass wir nicht nur für die nächste Schularbeit lernen und danach alles wieder vergessen. Wir besprechen regelmäßig, für welches Fach in der weiterführenden Schule sie das Gelernte brauchen werden.

Nicht nur für die Schule lernen wir

Bei vielen meiner Schüler:innen  (und deren Eltern) liegt das Augenmerk auf Mathematik und Deutsch. Ich erkläre meiner Klasse regelmäßig, wie wichtig auch alle Themen des Sach-, Sport-, Kunst-, Werk- und Musikunterrichts  für ihr Leben und ihre persönliche Entwicklung sind.

Meine Schüler:innen sollen merken, dass eine  gute Allgemeinbildung  in vielen Lebenslagen äußerst wichtig ist, dass diese ihnen Befähigungen und Kenntnisse gibt, um ihr eigenes Leben oder Bereiche der Gesellschaft aktiv und kritisch zu gestalten.

Du bist mehr als deine Noten!

Wir Erwachsenen müssen den Kindern ihre Stärken und Talente abseits der Schulfächer immer wieder bewusst machen. Kreativität, Empathie, Humor, Hilfsbereitschaft,…

Nicht jeder „muss“ in die AHS! Eltern und Pädagog:innen sollten den Kindern aufzeigen und erklären, welche schulischen und beruflichen Möglichkeiten ihnen auch nach der Mittelschule offenstehen. Der Druck, unbedingt ins Gymnasium gehen zu müssen, sollte meiner Meinung nach überdacht werden.

Wie können Lehrer:innen die  Kinder organisatorisch auf den Schulwechsel vorbereiten?

Ordnung halten muss gelernt sein

… und in der weiterführenden Schule haben die Kinder mehr Schulfächer, also auch noch mehr Hefte und Bücher, die sie in Ordnung halten müssen.

Meine Klasse führt seit der 1. Klasse eine Hausübungsmappe (Eckspanner- Mappe, Gummizug- Mappe oder ähnliches). In diese legen die Kinder alle Hefte, Bücher und Arbeitsblätter, die sie für die Hausübung benötigen. So stellen wir sicher, dass nichts auf dem Pult vergessen wird. Außerdem sehen die Schulsachen auf diese Weise länger ordentlich aus, als wenn sie ungeschützt in die Schultasche gestopft werden würden.

Die Weiterführung dieser Hausübungsmappe in der weiterführenden Schule empfehle ich meinen Schulkindern sehr.

Weiters nehmen wir uns regelmäßig die Zeit, die Tische, Bankfächer, Ordnungsboxen, … aufzuräumen, die Tischoberflächen und Schreibtischunterlagen zu reinigen. Dies macht den Kindern Spaß und danach fühlen wir uns wieder wohler in der aufgeräumten Klasse.

Hefte (statt Arbeitsblätterflut)

In der weiterführenden Schule müssen die Kinder mit Hilfe ihrer Hefte, Arbeitsunterlagen den Lernstoff wiederholen und lernen. Daher sind genau und vollständig geführte Hefte wichtig für den schulischen Erfolg.

Auch wenn ich doch viele Arbeitsblätter kopiere, bevorzuge ich stets das Schreiben in Heften. Hefte strahlen für mich noch immer eine höhere Wertigkeit aus. Erfahrungsgemäß schreiben die Kinder in Heften sorgfältiger als auf Arbeitsblättern.

Arbeitsblätter, die wir zum Lernen aufbewahren wollen, sammeln wir in farbigen Schnellheftern, in denen die Kinder immer wieder nachlesen können.

Sorgfältige Handschrift in Heften und Arbeitsblättern

Auch wenn die Kinder in der 4. Klasse bereits ihre individuelle Handschrift entwickeln, die sich von der erlernten Schreibschrift optisch entfernt, ist mir eine sorgfältige, gut leserliche Schrift nach wie vor sehr wichtig. Da bin ich auch in der 4. Klasse noch sehr pingelig. Das Schreiben mit ordentlicher Handschrift ist für das Erinnern und Lernen förderlich.

Verantwortung übernehmen

In der weiterführenden Schule wird Selbständigkeit erwartet. Für jedes Schulfach gibt es Dinge, die sich die Kinder merken, die sie erledigen müssen. Wir Volksschullehrer:innen sollten die Selbständigkeit, die Verantwortlichkeit schrittweise einfordern, damit es in der weiterführenden Schule nicht zu einer Überforderung kommt.

 Wie wohl die meisten Schulen nutzt auch meine Schule ein digitales „Mitteilungsheft“.
Mit diesem Medium kann man die Eltern rasch wegen  fehlender Klebstoffe, Scheren, Unterschriften usw. kontaktieren. Seit einigen Monaten schreibe ich den Eltern aber nicht mehr, wenn Schulsachen fehlen. Die Verantwortung dafür, selbst zuhause zu erzählen, welche Dinge ihnen fehlen, übertrage ich jetzt vermehrt den Schüler:innen. Sie schreiben sich selbst  Erinnerungszettelchen. Bei vielen Kindern klappt das schon ganz gut.

Im nächsten Schuljahr wird wahrscheinlich keine Lehrperson mehr den Eltern schreiben, wenn Tintenpatronen oder Radiergummis fehlen. Deshalb üben wir das Selbst-daran-Denken jetzt schon.

Manchmal kommt es noch vor, dass Kinder bei vergessenen Hausübungen, Büchern, Federpennalen usw. sagen: „Meine Mama hat vergessen, mir … in die Schultasche zu geben.“ Deshalb bespreche ich mit den Kindern regelmäßig, dass sie selbst für ihre Schulsachen, für das Spitzen der Stifte, das Einräumen der Schultasche verantwortlich sind.

Wie können Eltern zuhause unterstützen?

  • Die Eltern sollten schrittweise, aber nicht ganz plötzlich, die Verantwortung für schulische Belange den Kindern übertragen.
  • Die Kinder sollten auch jetzt noch beim Lernen begleitet und unterstützt werden. Ich höre oft von Eltern: „Ich habe ihm/ihr eh gesagt, er/ sie soll lernen.“

Lernen muss ja auch gelernt werden. Die Eltern müssen sich auch in dieser Übergangsphase von der Volksschule zur weiterführenden Schule für den Lernstoff ihrer Kinder interessieren, mit ihnen üben, beim Zeitmanagement helfen usw.  
Auch die Eltern müssen ihren Kindern immer wieder sagen: “Du bist mehr als deine Noten!“
Eltern sollen fordern und fördern, aber nicht zu viel Druck ausüben bei schulischen Themen.

Eltern sollen ihre Kinder loslassen, aber nicht alleine lassen! Auch nicht bei schulischen Themen.

Geschrieben von: Angela Bognar

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