Handy weg, ran an den Stift

Bringt ein Handyverbot im Klassenzimmer die Kinder dazu, wieder mehr mit der Hand zu schreiben?
In Italien macht man die Probe aufs Exempel und verbannt Handys aus den Klassenzimmern.
Doch ist ein einfaches Verbot wirklich die Lösung? Schauen wir uns an, wie andere Länder mit dem Thema umgehen.

Einfach verbieten? Was machen die anderen?

Frankreich
Landesweites Handyverbot? Das ist in Frankreich bereits jahrelang in Kraft. Ursprünglich bezog sich das Verbot nur auf die Unterrichtszeit, 2018 wurde der Gebrauch internetfähiger Geräte auch in den Pausen und bei schulischen Aktivitäten außerhalb des Schulgebäudes verboten. Ziel ist es, dass Kinder im Alter von drei bis 15 Jahren sich besser auf das Lernen konzentrieren können und vor Cybermobbing sowie jugendgefährdenden Inhalten geschützt werden.

Großbritannien
Etwas großzügiger ausgelegt ist die Rechtslage auf der britischen Insel: Viele Schulen setzen zwar auch hier auf ein Handyverbot, gesetzliche vorgeschrieben ist dies aber nicht. Seit Anfang 2024 gibt es lediglich eine Richtlinie, die Schulen ermutigen soll, die Nutzung von Smartphones im Unterricht und in den Pausen einheitlich zu verbieten.

Deutschland
Schulangelegenheiten sind hier Landessache, das bedeutet: Was in Berlin erlaubt ist, kann in Hessen verboten sein. Darüber hinaus kann jede Schule individuell ein Handyverbot in die Schulordnung mit aufnehmen. Die Mitnahme eines Geräts kann hier nicht verboten werden, die Nutzung im Unterricht und in den Pausen allerdings schon.

Besser Hand als Hand-y

Zurück zum guten alten Aufgabenheft oder Schülerkalender, in dem Termine und Aufgaben händisch eingetragen werden – die Vorstellung ist verlockend, oder?

Zumal die positiven Auswirkungen vom Schreiben mit der Hand hinlänglich bekannt sind:

  • Das Schreiben mit der Hand stärkt die Feinmotorik und die Hand-Augen-Koordination
  • Die Bewegung der Finger beim Schreiben erhöht nachweislich die Gehirnaktivität, konkret die Verknüpfung verschiedener Schaltzentren. Dies gilt übrigens auch für da Nachspuren von Buchstaben auf Sand oder Schaum… es geht hier um die haptische Erfahrung und das „Spüren“ des Buchstabens.
  • In Folge werden Inhalte und Muster leichter gemerkt und die neuen Informationen besser abgespeichert: Der physische Akt des Schreibens unterstützt die kognitive Verarbeitung und das Lernen.
  • Im Vergleich zu Handy, Tablet und Co bietet ein Schulheft weniger potentielle Ablenkung. Die Kinder können sich ganz auf den Prozess des Schreibens konzentrieren, ohne von Benachrichtigungen, Pop-ups oder Ähnlichem gestört zu werden.

Per Hand oder am Computer zu schreiben wird sich heute nicht gegenseitig ausschließen, beide Methoden haben ihre Vorzüge. Es ist jedoch von großer Bedeutung, dass die Grundlagen des Schreibens mit Stift auf Papier bereits in jungen Jahren gefestigt werden, damit Kinder lernen, ihre Gedanken handschriftlich festzuhalten. Die Handschrift spiegelt die Individualität wider und ermöglicht eine Ausdrucksvielfalt, die eine Tastatur niemals erreichen kann.

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