Um das Geschichtenschreiben und -erzählen von Anfang an zu integrieren, zog bei uns ab Tag eins des Schuljahrs unser Klassenmaskottchen Pius in die Klasse mit ein.

Jedes Wochenende darf ein anderes Kind den Pinguin mit nachhause nehmen und mit ihm viele Abenteuer erleben. Montagmorgen haben wir immer unseren Erzählkreis und hierbei wird ein Stofftier herumgereicht, wobei die Kinder ihre Highlights vom Wochenende berichten dürfen.
Erzählen: Wo beginnen? Wo enden?
Die Schwierigkeit liegt darin, dass die Schüler:innen sich auf das Wesentliche konzentrieren nicht zu sehr auszuschweifen. Eine Begrenzung der Highlights oder Sätze kann hierbei hilfreich sein. Das Kind, welches Pius mithatte, verfasst einen Hefteintrag über das Wochenende und darf dann aus dem Heft vorlesen und die gestalteten Seiten präsentieren. Ich räume auch in der 2. Klasse nach wie vor sehr viel Zeit unserem Morgenkreis ein, da das Sprechen ein sehr essenzieller Aspekt ist, die Kinder es lieben und man selbst sehr viel über die eigenen Schüler:innen erfährt.
Mit Hefteintrag geht’s leichter
Wir begannen in der 1. Klasse mit dem glatten C.8 Heft und das führten wir auch relativ bald nach Schulbeginn ein, denn tolle Geschichten können auch schon mit wenig Text entstehen. Ab dem Zeitpunkt, wo die Kinder dann schon etwas ausführlicher schreiben, habe ich dann zu einem C.1 Heft gewechselt. In der 2. Klasse können sich die Kinder im C.200 im A4 Format mit dem Schreiben nun noch mehr austoben. Das Schöne an dem Heft ist, dass die Kinder ganz auf ihrem Niveau schreiben können und selbst entscheiden, was sie preisgeben wollen und was nicht.
Spannend ist auch, dass die Kinder sich in das Maskottchen hineinversetzen müssen, denn die Geschichten werden aus der „Pinguinperspektive“ erzählt. Die Seiten werden von den Schüler:innen immer sehr kreativ, mit Fotos, Stickern, Collagen usw., gestaltet. Unser Maskottchen wird auch von Zeit zu Zeit verschönert mit z.B. eigener Namenskette oder selbstgestrickter Haube.



Es ist schön mit anzusehen, wie sich die Kinder entwickeln. Sichtbar wir das auch am verwendeten Material: von den glatten, weißen Seiten im C.8, die fast ausschließlich mit Zeichnungen gefüllt wurden, über die ersten Sätze auf den Hilfslinien des C.1 bis hin zu den großen Heften für richtig ausführliche Geschichten. Von einzelnen Wörtern in Druckschrift mit Bleistift bis hin zu ganz tollen Aufsätzen in Schreibschrift mit Füllfeder.
So wird aus den Reise-Heften ein wertvoller Erinnerungsschatz, deshalb wird darin von mir keine Korrektur vorgenommen und das Heft liegt bei uns immer in der Klasse bei Pius, damit es jederzeit gelesen und bestaunt werden kann.
Die Kinder lieben dieses Ritual und hoffen jeden Freitag, dass Pius dieses Wochenende mit IHNEN mitkommen darf.