Lehrertraum: Selbstständige Schüler:innen

Selbstständiges Arbeiten braucht Anleitung in der Einübungsphase. In meiner Klasse begleite ich die Kinder über klare Strukturen, Rituale und passende Materialien, damit sie Schritt für Schritt Verantwortung für ihr Lernen übernehmen.

Was bedeutet Selbstständigkeit im Unterricht?

Selbstständigkeit heißt nicht, dass Kinder alles allein können müssen. Vielmehr geht es darum, ihnen schrittweise Verantwortung zu übergeben. In meiner Klasse setze ich Selbstständigkeit so um: Nach einer gemeinsamen Erklärungs- und Einführungssequenz beginnen die Schüler:innen Aufgaben eigenständig, organisieren ihr Material selbst und holen sich Hilfe, wenn sie diese benötigen. Die nachfolgenden Arbeitsweisen eignen sich vor allem ab der 3. Klasse.

  • Selbstständig arbeiten mit dem Formati A.2

Das Formati Aufgabenheft A.2 ist ein zentrales Werkzeug beim Aufbau der Selbstständigkeit. Besonders bewährt hat sich die übersichtliche Wochenstruktur:
Jede Aufgabe bekommt ein eigenes Feld. Die Kinder notieren ihre Aufgaben selbst und haken Erledigtes im vorgedruckten Kästchen ab.

In der Praxis nutzen wir das A.2 Heft vor allem für Wochenplanarbeiten und Lernaufträge. Dazu schreiben die Kinder am Anfang der Woche ihre Aufträge, in einem eigens dafür vorgesehenen Zeitfenster, in ihr Formati-Heft. In der Arbeitszeit können sie damit beginnen, sobald es sich für sie organisieren lässt. Erledigtes wird abgehakt und wenn die Arbeitszeit vorbei ist, geben sie ihr Heft ins Bankfach. Sie können dann jederzeit selbstständig weiterarbeiten, da sie anhand ihres Auftragsheftes genau wissen, was noch zu erledigen ist.
Die Schüler:innen lernen so, ihre Arbeit einzuteilen, den Überblick zu behalten und Verantwortung für ihren Lernprozess zu übernehmen.

  • Der Karteikasten als Trainingsfeld für Eigenverantwortung

Der Karteikasten eignet sich hervorragend für selbstständiges, strukturiertes Arbeiten. Die Kinder beginnen mit ihren Karten im ersten Fach. Wird eine Aufgabe richtig gelöst, wandert die Karte weiter. Bei Fehlern bleibt sie im ersten Fach und wird erneut bearbeitet.

So wird Lernen transparent:

  • Wiederholungen ergeben sich automatisch
  • Fortschritte sind sichtbar
  • Jedes Kind arbeitet im eigenen Tempo

Der Karteikasten lässt sich flexibel einsetzen, ob im Mathematik-, Deutsch- oder Sachunterricht, und unterstützt gezielt die Festigung von Lerninhalten.

Bezugsquelle für Karteikasten

  •  Lernampel-System:

So setze ich es im Unterricht um:
Wenn die Kinder ihren Arbeitsplatz einrichten, um mit dem eigenständigen Arbeiten zu beginnen, legen sie sich im Zuge dessen auch gleich ihre kleine Lernampel auf den Tisch. Diese Ampel hat drei Farben, die folgendes bedeuten:

🟢 Grün: Ich arbeite selbstständig

🟡 Gelb: Ich bin mir schon sicher/ Ich kann auch anderen helfen

🔴 Rot:   Ich brauche Hilfe

Die Kinder legen die passende Farbe sichtbar auf ihren Tisch. So lernen sie, ihren Arbeitsstand selbst einzuschätzen, und ich sehe auf einen Blick, wer Unterstützung braucht. Aber nicht nur ich sehe, wer Unterstützung braucht, sondern die Kinder unterstützen sich auch gegenseitig. Es gibt immer Kinder, die sehr gerne als „Hilfskraft“ fungieren und schnell ihre „Fühler“ ausstrecken, um zu sehen, ob jemand Hilfe braucht. Bei großen Klassen ist man über diese Unterstützung als Lehrkraft froh. Außerdem vertieft das Erklären des Lernstoffes das eigene Verständnis und somit ist es eine Win-Win -Situation.

  • Wochenreflexion im Klassenalltag

Jeden Freitag nehmen wir uns in den letzten 15 Minuten bewusst Zeit für eine gemeinsame Wochenreflexion. Dazu treffen wir uns im Sitzkreis. In der Mitte des Kreises steht eine Schachtel mit sogenannten Erzählsteinen. Ergänzt wird diese durch Reflexionskarten in Form von Sprechblasen mit folgenden Impulsfragen:
• „Mir hat in dieser Woche gut gefallen, dass …“
• „In dieser Woche war für mich schwierig, dass …“
• „Neu gelernt habe ich diese Woche, dass …“
• „Für nächste Woche nehme ich mir vor, dass …“

Jedes Kind nimmt sich einen Erzählstein und legt ihn zunächst vor sich ab. Wenn es sich stimmig anfühlt, wird der Stein zur passenden Sprechblase gelegt und der vorgegebene Satzanfang wird individuell ergänzt. Die festen Satzstrukturen bieten besonders sprachlich schwächeren Kindern eine wertvolle Unterstützung dabei, ihre Gedanken und Gefühle in Worte zu fassen.

Gleichzeitig lernen die Kinder in dieser Reflexionsrunde, einander zuzuhören, Rücksicht zu nehmen und erst dann zu sprechen, wenn andere ihren Beitrag beendet haben.

Die Wochenreflexion fördert somit nicht nur sprachliche Kompetenzen, sondern auch soziale Fähigkeiten wie Empathie und Gesprächsdisziplin.
Für die Lehrkraft entsteht am Ende der Runde ein sehr klares und authentisches Stimmungsbild der vergangenen Woche. So wird sichtbar, ob bestimmte Herausforderungen häufiger aufgetreten sind oder ob insgesamt eine positive Lern- und Arbeitsatmosphäre erlebt wurde.

Geschrieben von: Michaela Wieland

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