Mit Schwung geht’s los

Vor dem ersten Buchstaben stehen die Schwungübungen – ein Plädoyer für gute Vorbereitung auf’s Schreiben:

Wozu Schwungübungen?

Schreiben verlangt den Kindern sehr viel ab: Auge-Hand-Koordination, richtige Stifthaltung, passender Druck und dann auch noch den verlangten Buchstaben auf’s Papier bringen, die Schreibrichtung ändern und in der Zeile bleiben… ganz schön viel! Deshalb gilt das Hauptaugenmerk zunächst den vorbereitenden Übungen.

Arbeitsblätter mit Schwungübungen, die wir in unserem Bankfach in einer Flügelmappe aufbewahren, begleiten uns täglich zu Beginn des Schultages und zwischendurch, um die Schüler:innen gezielt an eine lockere Stifthaltung heranzuführen. Was spricht für Schwungübungen?

  1. Förderung der motorischen Entwicklung

Viele Kinder bauen beim Schreiben viel Druck auf und verkrampfen Finger und Handgelenk. Schwungübungen können hier entgegenwirken. Vor allem jene mit großen gebogenen Linien, die fließend und ohne Anstrengung ausgeführt werden. Die Kinder lernen dabei den Krafteinsatz richtig zu dosieren.

  1. Vorbereitung auf die Schrift

Die visuomotorische Koordination, sprich eine gute Auge-Handkoordination ist bei den Schulanfänger:innen innerhalb einer Klasse meist auf einem unterschiedlichen Niveau. Auch bei den Schwungübungen bieten sich zahlreiche Möglichkeiten, diese perfekt auf den jeweiligen Lern- und Entwicklungsstand des Kindes abzustimmen.

  1. Vertiefung der Konzentration

Um Schwungübungen sauber ausführen zu können, bedarf es einer entsprechenden Feinmotorik und der ebenso wichtigen Auge-Hand-Koordination. Somit sind sie als effektives Training auf kognitiver und koordinativer Ebene zu sehen.

Wie wir starten

In meiner heurigen ersten Klasse starteten wir mit großräumigen Schwüngen: Sie wurden erst in der Luft vorgezeichnet und dann auf Packpapier, das ich auf die Tische der Kinder geklebt habe, übertragen. Wir haben mit Programmmusik im Hintergrund einen Vulkanausbruch dargestellt.

Anschließend starteten wir den Stationsbetrieb zur Schulung der Feinmotorik:

Sternenreise

  • Sterne mit dem Finger entlang der Linien bewegen und bei den runden Feldern kurz anhalten – auf demselben Weg wieder zurück
  • Sterne mit einem Stift entlang der Linien bewegen
  • Goldplättchen mit Finger entlang der Linien bewegen
  • Goldplättchen, da sehr dünn, mit Stift entlang der Linien schieben
  • Optional wird bei jedem runden Feld angehalten und einer von mehreren Knoten an einem Band muss geöffnet werden, erst dann geht die Fahrt mit dem Stift bzw. Finger weiter.

Die zu verschiebenden Plättchen können in ihren Anforderungen beliebig variiert werden und auch für die runden Felder kann man sich eine Vielzahl an motorische Übungen überlegen.

Schwungübungskartei

Die Schüler:nnen suchen sich willkürliche Übungskärtchen, die sie bearbeiten wollen:

Knetmasse

Aus Kinderknete werden erst Kugeln, dann Rollen und daraus unterschiedlichste, bereits bekannte Buchstaben etc. geformt.

Endlich: Ein Hefteintrag im B.1

Nach dem Stationenbetrieb bearbeiten die Schüler:innen die erste Seite mit den Vorübungen zur Schrift in ihrem Buchstabenheft B.1.

Der Einsatz verläuft über eine ganze Woche bzw. über zwei Wochen, je nach Leistungsstand der Kinder. Im Anschluss an die Vorübungen werden immer wieder zwei Zeilen im Heft bearbeitet.

Da Schwungübungen vor allem im Wintersemester der 1. Klasse immer wieder aufgegriffen werden, benötigt man auch genügend Übungsmaterial. Das Buchstabenheft bietet am Ende des Heftes einen zusätzlichen Übungsteil mit Schwungübungen und kann diesbezüglich auch für einen längeren Einsatz empfohlen werden.

Geschrieben von: Michaela Wieland

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