Das Legen und Arbeiten mit Zehnerzahlen bis 100 ist weit mehr als das bloße Auswendiglernen einer Zahlenreihe. Es ist der erste große Schritt in ein Denksystem, das unser gesamtes Zahlensystem trägt: das Dezimalsystem. Wer hier ein solides Fundament legt, baut darauf sein gesamtes mathematisches Verständnis auf.
Das muss das Kind verstehen:
Zehnerzahlen – also 10, 20, 30, 40, 50, 60, 70, 80, 90, 100 – sind für Kinder im ersten Schuljahr zunächst nur Wörter: „zehn“, „zwanzig“, „dreißig“. Der entscheidende Schritt ist die Einsicht, dass hinter diesen Wörtern eine Struktur steckt.
Es kommt auf die Position an
Jede Zahl hat ihren Platz – der Stellenwert
7 0
Zehner → Einer
7 Zehner + 0 Einer = 70
Zwei Einsichten sind hier von Bedeutung:
Erstens: Die Position einer Ziffer bestimmt ihren Wert. Eine 7 an der Zehnerstelle bedeutet 70 – nicht 7.
Zweitens: Zehnerzahlen bestehen aus gleich großen Gruppen. 70 sind sieben Zehnergruppen – kein abstraktes Symbolgefüge, sondern etwas Greifbares.
So arbeiten wir in der Klasse
Hier kommen wieder die aus Schaschlikspießen gebündelten Zehner zum Einsatz:
Erst sage ich den Kindern Zehnerzahlen an, die sie legen und die dann im Anschluss gemeinsam verglichen werden. Wenn ich mir sicher sein kann, dass alle verstanden haben, was der Unterschied zwischen Einern und Zehnern ist, arbeiten die Kinder mit einem Partner.

Diese Spiele lieben die Kinder:
Zehnerwürfel-Spiel
Würfeln und entsprechend viele Zehnerstangen nehmen. Wer zuerst 100 hat, gewinnt. Einfach, schnell, effektiv.
Diktieren und Legen
Ein Kind diktiert eine Zehnerzahl, das andere legt sie mit Material. Dann tauschen – gegenseitiges Erklären vertieft das Verstehen.
Sprachliche Feinheiten erleichtern das Verständnis



Im Sinne der ikonischen Darstellung und zur weiteren Festigung wird mit dem Rechenheft R.3 gearbeitet, da dessen Kästchenformat das zeichnerische Abbilden der Zehnerstangen optimal unterstützt.
Achtung auf mögliche Stolpersteine:
- „Dreißig“ klingt nicht nach „drei Zehnern“
Die deutschen Zahlwörter sind tückisch. „Dreißig“ klingt kaum nach „drei Zehner“. Kinder brauchen daher viel länger als manchmal erwartet, um die Sprachform mit der Mengenstruktur zu verknüpfen.
Sprachlicher Tipp
Im Unterricht nutze ich zur regulären Zahlensprache die strukturierte Sprache: „drei Zehner“ und „dreißig“ verwende ich abwechselnd, wenn ich von den Zahlen spreche. So fällt es den Kindern oft leichter, eine bewusste Brücke zu bauen.
- Die Null ist kein „Nichts“
Die 0 an der Einerstelle bei Zehnerzahlen verwirrt viele Kinder: „Warum schreibe ich eine 0, wenn da gar nichts ist?“ Die Null ist hier kein Fehlen, sondern ein Platzhalter – sie zeigt, dass die Einerstelle besetzt ist, aber mit null Einern. Das braucht explizite Erklärung und viel konkretes Anschauen.
Fazit: Geduld mit der Zahlsprache und mehrfache Wiederholung des handelnden Tuns: Deutsch ist komplex. Die Verbindung von Wort und Struktur braucht Zeit und viel Wiederholung.